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Reden statt Schreiben: Der Social Audio Trend.

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Ein neuer Trend, der quasi noch in den Kinderschuhen steckt, fängt an, sich im Social-Media-Markt breitzumachen: Social Audio. In der US-Tech-Szene steht hierzu bereits eine Welle von Startups in den Startlöchern. OMR berichtet, dass in den vergangenen Monaten verschiedene Dienste enorme Aufmerksamkeit erregt haben, in deren Zentrum audiobasierter Content steht.

Bisher stand bei Social Apps fast ausschließlich visueller Content, also Fotos und Videos, im Fokus. Social Audio fokussiert sich hingegen auf den Ton: Menschen tauschen sich in sozialen Netzwerken via Sprachinteraktion aus. Vielleicht ist das die Zukunft der Online-Interaktion. Erste Apps zeigen, in welche Richtung es gehen könnte.

Die Anbieter

Vor allem die App Clubhouse hat in den letzten Monaten von sich reden gemacht und ist aktuell die meist beachtete von mehreren neuen Social Audio Apps. Bei Clubhouse stehen audiobasierte Gruppe-Chats im Zentrum – im Wesentlichen handelt es sich um eine Audio-Plattform für Unterhaltungen. Wie genau die App funktioniert, wissen bisher nur eingeladene Nutzer, denn Clubhouse befindet sich noch in einem geschlossenen Beta-Test. Medienberichte und Social-Media-Posts lassen aber erste Vermutungen vernehmen: Nutzer können in der App virtuelle Räume eröffnen und sich gegenseitig in diese einladen, um darin auf Audio-Basis miteinander zu diskutieren. Es ist auch möglich, anderen Nutzern zu folgen und Push-Mitteilungen einzustellen. Ein bisschen vergleichbar mit Twitter, nur mit Ton statt Text.

Ziel dahinter ist es wohl, dass sich spontane, unerwartete und inspirierende Konversationen ergeben, ähnlich wie auf einer Party im “richtigen” Leben. Ein Grund dafür, dass die App bereits so erfolgreich ist – obwohl sie erst in der Beta-Phase steckt – ist wahrscheinlich ihr exklusiver Charakter: Der „Fear of Missing Out“-Effekt führt zu einem Sog. Medien berichten, dass bereits Promis wie Oprah Winfrey, Ashton Kutcher oder MC Hammer auf Clubhouse aktiv waren.

Clubhouse ist ein Kunststück gelungen, das sogar den Aufstieg von Facebook in dessen frühen Tagen in den Schatten stellt. Mitte Mai, wenige Monate nach der Gründung, hat die Social Media App laut Forbes eine Finanzierung von Andreessen Horowitz erhalten und soll nun rund 100 Millionen US-Dollar wert sein — zu diesem Zeitpunkt hatte Clubhouse 1.200 Beta-Tester. Im Silicon Valley wird die App so schon als nächster, großer Mitbewerber von Instagram, Snapchat und Co. gehandelt.

Ein weiteres Beispiel ist die App Cappuccino, in der sich Nutzer mit Freunden und Bekannten auf Audio-Basis vernetzen und austauschen können. Nutzer können kurze Audioschnipsel (genannt “Beans”) aufnehmen, in denen sie zum Beispiel von ihrem Tag erzählen. Aus diesen “Beans” braut die App den täglichen “Cappuccino” der Nutzer. Es entsteht eine Art personalisierter Podcast, der für jeden Nutzer individuell erstellt wird. Die Betreiber beschreiben es mit „A daily personal audio show featuring your friends“. Vergleichbar ist Cappuccino ein wenig mit Snapchat, nur dass es Sprachnachrichten statt Snaps und Mini-Podcasts statt Stories gibt.

Gerade gestartet ist außerdem TLDL (steht für „Too Long, Didn’t Listen“): TLDL ist eine App, die einen „Social Graph“ über alle verfügbaren Podcasts legen will. Nutzer können ihre liebsten Stellen aus Podcasts markieren, mit anderen teilen und gleichzeitig auch durch einen Feed der Podcast-Highlights ihres Netzwerks scrollen. Snap hat in ein Startup namens Muze investiert, die eine Warteliste für ihre App eröffnet haben, die Online-Videos um Audio-Kommentare erweitern will. Die App Roadtrip, deren Slogan „Listen, talk, chat and build playlists with friends, live“ ist, ist in eine geschlossene Betaphase gestartet. Die App ermöglicht es Nutzern, Räume zu eröffnen, in denen sie gemeinsam mit anderen Spotify-Playlisten erstellen und sich über Musik austauschen können.

Warum wird Social Audio zum Trend?

Woher kommt der Social Audio Boom? Es liegt die Vermutung nahe, dass hier über die letzten Jahre mehrere Entwicklungen zusammen gekommen sind, die die neuen digitalen Nutzungsformen begünstigen. So sind Kopfhörer inzwischen allgegenwärtig, Bluetooth-basierte Varianten wie Apples Airpods haben die Sprachaufnahmefunktion schon mit eingebaut.

Ausreichend bekannt ist inzwischen der Podcast-Boom: Podcasts haben eine Renaissance erfahren, audio-basierter Content hat eine enorme Reichweite aufgebaut und die Nutzer haben sich entsprechend daran gewöhnt. Auch die digitalbasierte Sprachkommunikation ist zur Normalität geworden und Teil des Alltags, vor allem getrieben von Sprachnachrichten oder auch Telefonaten über Messenger wie WhatsApp.

Zudem spielt der Aufstieg des Gamings hier eine Rolle. Apps wie Teamspeak und Discord, über die die Nutzer u.a. auch während des Spielens per Sprache miteinander kommunizieren, haben sehr viele Nutzer. Zuletzt kündigte Discord an, Zielgruppen außerhalb von Gaming stärker erschließen zu wollen und positioniert sich seitdem als „your place to talk“.

Der Trend begründet sich nicht zuletzt in seinem radikalen Zuschnitt auf Audio. So ist Clubhouse wohl die erste Social-Media-App, die ohne Display auskommt. Es genügt, einfach die Kopfhörer aufzusetzen, um dabei zu sein. Mit Audio ist es entsprechend einfacher, einzusteigen. Kara Nortman, Partnerin bei Upfront Ventures, erklärt gegenüber Business Insider: “Man muss sich nicht die Haare machen und keinen Augenkontakt herstellen. Es ist fast so, als ob es gesellschaftlich akzeptabel wäre, abgelenkt zu sein (…). Es gibt mehr Gemeinschaft, mehr Inhalt, weniger Erwartung.“ Social Audio scheint also nur der nächste logische Schritt zu sein.

Ausblick

Ob Social Audio sich aber wirklich auch durchsetzt, wird sich noch zeigen müssen. Erste Social Audio-Experimente führen jedoch auch die großen Plattformen bereits durch: Facebook hat mit der Live-Audio-Funktion bereits Livestreams ohne Bild in sein Angebot integriert und im Mai testweise die audiobasierte Gruppen-Chat-App Catchup in den US-App-Store gebracht. Twitter kündigte im Juni an, für die Nutzer der iOS-App nach und nach die Möglichkeit für Audio-Tweets ausrollen zu wollen. Spannend bleibt damit auch die Frage, ob sich die Audio-App überhaupt zu einem globalen Sozialen Netzwerk mit Millionen von Nutzern skalieren lässt. “Denn die Gesetze der Plattform-Ökonomie lauten: Entweder du machst es groß, oder du machst es gar nicht.”, schreibt Business Insider. Beispiele für Social-Media-Apps, die den Hype nicht überdauert haben, gibt es genug. Myspace und SchülerVZ sind nur zwei Beispiele von vielen. Aber: Sollte sich Social Audio tatsächlich durchsetzen, dann dürfte das unsere Social-Media-Landschaft nachhaltig verändern. Nach der hoch dotierten Funding-Runde von Clubhouse dürfte der Rest der Tech und VC-Szene auf jeden Fall auf das Thema Social Audio aufmerksam geworden sein.

Quellen

https://omr.com/de/social-audio-apps-clubhouse/
https://www.pointer.de/studium/studi-leben/16154/social-audio.htm
https://blog.osk.de/kw-31-round-up-social-media
https://www.businessinsider.de/wirtschaft/startups/clubhouse-was-hinter-dem-hype-um-die-audio-app-steckt/

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